Wir wollen die letzten 10 Jahre ISPA und die damit verbundenen Errungenschaften für das Internet in Österreich feiern! Sie finden hier Statements von Persönlichkeiten aus den Bereichen Kultur, Medien und Politik (Voices), oder Beiträge zur Entstehung der ISPA (Geschichte der ISPA). Persönliche Erinnerungen ehemaliger Präsidentinnen und Präsidenten, Vorstandsmitglieder und Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter der ISPA (Arbeiten für die ISPA) oder Erfahrungsberichte von Mitgliedern (Milestones - My ISPA) finden hier ihren Platz. Viel Spaß beim Lesen und Kommentieren!



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Fundstück der Woche:
Original Presseinformation und Beschlagnahmungsprotokoll


Hier die original Presseinformation "Ein Land geht offline" mit einer kurzen Darstellung des Sachverhalts. Im Anschluss dann die Ankündigung des Streiks mit einem Zusatz für Lösungsvorschläge aus der Sicht der Provider und einem Hinweis, dass sich die ISPA in der Gründung befindet. Auf der letzten Seite findet sich dann die Niederschrift der Hausdurchsuchung und der Beschlagnahmung. Vielen Dank an Nikolaus Futter! Read more!

Peter Rastl:
Wie die ISPA geboren wurde...


Über die Anfänge des Internet in Österreich und über die Rolle, die die Universität Wien dabei gespielt hat, habe ich schon unzählige Male bei den verschiedensten Gelegenheiten berichtet. Wer sich daran nicht mehr erinnern kann, oder wer zu jung ist, um diese Zeit damals miterlebt zu haben, möge meinen Beitrag „Es begann an der Uni Wien – 10 Jahre Internet in Österreich“ lesen, den ich im Juni 2000 für den „Comment“, das Mitteilungsblatt des Zentralen Informatikdiensts der Universität Wien, geschrieben habe.

Da berichtete ich unter anderem über die Anfänge der Internet-Domainverwaltung in Österreich – wie wir an der Universität den ersten Nameserver für die Top-Level-Domain at aufgesetzt haben, wie wir die ersten Jahre hindurch die österreichischen Domains unentgeltlich vergeben und verwaltet haben, wie wir für die „kommerziellen“ Internet-Nutzer die Subdomain co.at geschaffen haben, die von der EUnet GmbH administriert wurde, bis uns schließlich im Jahre 1996 der Gratis-Aufwand zu groß wurde und wir mit Jahresbeginn 1997 eine Domainverwaltungsgebühr einführten.

Das geschah ganz überfallsartig, so wie damals gelegentlich auch über Nacht der Benzinpreis erhöht wurde, nur mit der EUnet GmbH abgesprochen – damit ja niemand noch knapp vor dem Jahreswechsel neue Domains registrieren läßt und uns dadurch den Silvesterurlaub stört. Der Protest der österreichischen „Internet-Wirtschaft“ ließ nicht lange auf sich warten: „Was bilden sich die Kerle von der Uni Wien denn ein, daß sie jetzt plötzlich für die Domainnamen Geld kassieren?“ Das schien ja genauso unverschämt, wie wenn wir für die Atemluft Geld verlangt hätten. Noch im Jänner 1997 wurde deshalb eine Protestversammlung von ein paar Dutzend Internet-Providern organisiert, die angetreten waren, diese Domainverwaltungsgebühr wieder aus der Welt zu schaffen und mich in die Schranken zu weisen.

Es kam aber ganz anders: Innerhalb weniger Minuten konnte ich den aufgebrachten ISPs erklären, daß wir nicht etwa für die Domainnamen ein Entgelt verlangten, sondern für die professionelle Dienstleistung, die wir erbrachten: den Betrieb der Nameserver, die Verwaltung der Domain-Daten, für die benötigte Hard- und Software und die dafür erforderlichen Personalressourcen. Und diese Dienstleistung, die wir ja bereits jahrelang erfolgreich erbracht haben, sollte auch weiterhin zur vollen Zufriedenheit der Internet-Nutzer gesichert bleiben. Da waren dann plötzlich alle Versammelten mit der Einführung einer Domaingebühr einverstanden, zumal ich auch noch eine Reduktion des ursprünglichen Kostensatzes angeboten hatte, und wünschten sich sogar, daß wir auch die co.at-Domains wieder von der EUnet GmbH übernehmen mögen.

Diese Protestversammlung machte den Teilnehmern aber auch deutlich, daß es für die ISPs abseits des gegenseitigen Wettbewerbs in Wahrheit noch andere Themen gibt, wo ein gemeinsames Vorgehen zweckmäßig sein kann, und so fand der Vorschlag, eine Interessensvertretung der Internet-Provider zu gründen, eine breite Zustimmung. Unter den versammelten Teilnehmern wurde ein diesbezügliches Proponentenkommittee gewählt, um Statuten für einen Verband der österreichischen ISPs auszuarbeiten und die Gründung der ISPA vorzubereiten.

Es war klar, daß die ISPA nur erfolgreich tätig werden konnte, wenn sie auch über ausreichende finanzielle Mittel verfügt, um ein professionelles Generalsekretariat bezahlen zu können. Die Finanzierung ausschließlich über Mitgliedsbeiträge schien hierfür kein gangbarer Weg. Daher habe ich damals seitens des Universitätsrechenzentrums spontan angeboten, die Inhaberschaft an der Top-Level-Domain at an die ISPA zu übertragen und die ISPA an den Gewinnen aus der Domainverwaltung zu beteiligen. Nach Erledigung aller vereinsrechtlichen Formalitäten fand die Gründungsversammlung der ISPA schließlich am 12. September 1997 im Hörsaal 33 der Universität Wien statt. In der Folge gründete die ISPA dann die nic.at GmbH als eigenständige Firma, die seit Juli 1998 – nach wie vor technisch unterstützt durch das Uni-Rechenzentrum – die Aufgaben der nationalen Domainverwaltung wahrnimmt.

Wie wichtig ein koordiniertes Vorgehen war, erfuhren die ISPs bereits wenige Wochen nach dieser ersten Versammlung: Im März 1997, also noch ein halbes Jahr vor der tatsächlichen Gründung der ISPA, beschlagnahmte die Polizei sämtliches Equipment des kleinen Internet-Providers VIPNet wegen Verdachts auf Beihilfe zur Verbreitung von Kinderpornographie – was letztlich ohnehin mit einem Freispruch endete. Die Sorge, auch andere ISPs könnten für allfällige, von ihren Kunden ins Netz gestellte illegale Inhalte zur Verantwortung gezogen werden, veranlaßte die ISPs, auf ihre Anliegen mit dem ersten (und bisher einzigen) Internet-Streik in Österreich aufmerksam zu machen. Aber über diese Aktion „Austria goes offline“ ausführlicher zu berichten, ist wohl einem eigenen Beitrag vorbehalten.
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Thomas Dorn


Nun, der beschlagnahmte Provider hiess ViP - Verbindungen in Perfektion, und wurde nach dieser Aktion, die die Firma nahezu in den Ruin geführt hatte, mit mir wieder in die schwarzen Zahlen geführt. Es war ein hartes Stück Arbeit! Einige Kunden haben gewechselt, die meisten jedoch die Stange gehalten. Aber an Neukunden war damals nicht zu denken!

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie meine Freunde angerufen haben: "die haben einfach den Stecker gezogen, nicht mal ordentlich runtergefahren haben die die Server". Kurz darauf kam ich mit einem meiner privaten PCs, um den Radiusserver wieder zu aktivieren, so dass die Kunden sich wenigstens einwählen konnten.

Nebenbei, dass die Aktion absichtlich auf einen kleinen Provider gezielt hatte, wurden die Geräte NIE zurückgegeben! Das Verfahren hat sich in die Länge gezogen, und ohne der ISPA hätte sich ViP den Anwalt nie leisten können. Letztendlich wurden alle Mitglieder der ViP für unschuldig befunden, aber "sicherheitshalber ncht ganz". Was sich absolut seltsam anhört, ist ein geschickter Zug des Richters: damit musste dem Provider nichts rückerstattet werden, es wurde nie eine Entschädigung gezahlt! Es gingen alle leer aus. Ausser einem moralischen Halt für eine Grundlage der ISPA hat die Beschlagnahme aus Sicht der ViP nichts gebracht.

Nebenbei: die ViP hat dann der Reihe nach kleine Provider aufgekauft, danach die Nextra geschluckt. Anschliessend die EuNet aufgekauft. eTel konnte dann mit ein paar Tricks leicht übernehmen - es wurde alles vorbereitet für einen Konzentrationskauf der TeleKom. Der Streikaufruf war ein Aufschrei gegen den Rechtsstaat, der hier wohl einen grossen Schritt zu weit gegangen ist! Dieser Schritt war einmalig - und kann sicherlich (dank ISPA) wiederholt werden!
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Zur Geschichte des Hais

Wir wurden immer wieder gefragt, warum die ISPA einen Hai als ihr Erkennungszeichen verwendete. Eine augenscheinliche Verbindung zwischen der Vertretung des Internet in Österreichs und dieser inzwischen schon gefährdeten Tierart war nicht zu erkennen. Allein, dass danach gefragt wurde, zeigt jedoch, dass dieses Logo Aufmerksamkeit erweckte. Inzwischen ist der Hai auch schon von ein paar anderen Firmen als eye-catcher verwendet worden.

Zu Beginn stand auch der Spruch "Manchmal ist man besser nicht allein" daneben, der als Erklärung diente und den Zusammenhang zu einer Interessensvereinigung wie der ISPA herstellte. Im Laufe der Zeit hatte sich der Hai allerdings verselbstständig und war zuletzt nur noch als Flosse zu sehen. Eine aussterbende Tierart eben. Read more!

Geschichte der ISPA - STREIK !


Kann sich noch jemand daran erinnern, wie damals alles begann? Das Internet hat vor 10 Jahren gestreikt und die ISPA wurde aus der Taufe gehoben. 1997 wurde das komplette Equipment des Providers VIPNet (den es übrigens in seiner ursprünglichen Form nicht mehr gibt) in einer Nacht und Nebel Aktion unter dem Verdacht, kinderpornografisches Material verbreitet zu haben, von der Polizei beschlagnahmt. Ein Kunde der VIPNet hat kinderpornografisches Material über die VIPNet verbreitet und die zuständige Untersuchungsrichterin war der Meinung, dass ein Provider für die über seine Infrastruktur verbreiteten Inhalte auch verantwortlich gemacht werden kann. Read more!